von 1924 bis heute…

Unsere Geschichte

Der Klützer Winkel ist schon immer ein stiller Winkel gewesen.

Die aufregenden Ereignisse des Weltgeschehens rauschen hier vorbei, ohne tiefe Spuren zu hinterlassen. Noch heute, im Zeitalter der globalen Computervernetzung und des transkontinentalen Massenverkehrs, hat man den Eindruck, als tickten die Uhren hier ein wenig langsamer.

In der sanft gewellten Hügellandschaft zwischen Grevesmühlen, Klütz und Boltenhagen werfen noch Obstbäume ihre Schatten auf kopfsteingepflasterte Landstraßen. Enten schnattern an idyllischen Dorfteichen und das Telefon dringt erst jetzt in Gegenden vor, die ihren Charakter seit vielen Jahrzehnten kaum verändert haben.

1924

„Ich war schockiert über die Armut“

Die hektische Konsumzivilisation, die mit der Wende über das Land rollte, wie die legendäre Sturmflut des Jahres 1872, hat dem Charme des einfachen Lebens im Klützer Winkel noch nicht viel anhaben können. Der Rhythmus des Landes ist ruhig geblieben, fast so ruhig wie in der Zeit, als die Tagelöhner auf den großen Landgütern im äußersten Nordwesten Mecklenburgs noch in Katen lebten und deren Fußböden aus festgestampftem Lehm bestanden. An diese Katen kann sich Lore Cordes noch sehr gut erinnern. Die attraktive alte Dame hat ihre Kindheit im Gutshaus Stellshagen verbracht, und als ihr Großvater, der Architekt Franz Bach, das Haus 1924 auf einen Hügel zwischen Damshagen und Klütz baute, standen solche Tagelöhnerkaten noch an der Dorfstraße. Die Lehmfußböden machten einen dauerhaften Eindruck auf die Tochter aus großbürgerlicher Familie. „Ich war ziemlich schockiert über die Armut, die ich da sah“, erinnert sie sich fast siebzig Jahre später.

1924

Der erfolgreiche Selfmademan

Der alte Bach, ein erfolgreicher Selfmademan aus Hamburg, hatte das Herrenhaus für seinen Sohn gebaut. Franz Bach Junior war gelernter Landwirt und nun verhalf ihm der Vater zu einem eigenen Betrieb. Er kaufte dem Großgrundbesitzer Kammerherren von Plessen zwischen Klütz und Damshagen 1500 Morgen besten Ackerbodens ab, und sorgte dafür, dass sein Sohn (Lore Cordes Vater) auf der höchsten Erhebung der Gegend herrschaftlich untergebracht war.
Das 14-Zimmer-Haus wurde sozusagen um die antiken Sandstein-Ornamente des Hauptportals herumgebaut, die der alte Bach irgendwo erstanden hatte.
Sie bestimmten den Stil des ganzen Anwesens. Das nächste Bauprojekt kam dann den Tagelöhnern zugute, die mit dem Grundbesitz in die Obhut des jungen Bach, übergegangen waren. Für sie wurden nun feste Häuser gebaut, jedes Haus mit einem Stall für Kleintiere. „Das war damals ein absolut revolutionärer Standard“ sagt Lore Cordes heute. Der neue Gutsherr war ein Patriarch, wie alle anderen Gutsherren der Gegend auch, aber als Neuling war er nicht mit konventionellen Beziehungsmustern zwischen Gutsherr und Tagelöhnern aufgewachsen – so fiel es ihm leichter, die soziale Kluft zwischen ihm und seinen Angestellten zu überbrücken.Im Dorf nannte man das Gutshaus wegen seiner wuchtigen Ausmaße das Schloss. Aber im Schloss lebten eben keine Adeligen, sondern Menschen mit unkomplizierter und konventionsfreier Lebensart – alles drehte sich um die Landwirtschaft, um dasWetter, die Ernte und die Feste, die den gemächlichen Rhythmus der Jahreszeiten begeleiteten.

1924

Frohe Feste im Schloss

Besonders wichtig waren das Erntefest und Weihnachten. Lore Cordes schwärmt heute noch, wenn sie daran zurückdenkt. Sie wuchs im Dorf auf, spielte mit den Kindern der Tagelöhner, heckte Streiche aus, half ihren Spielkameraden auch oft, wenn sie erst noch die Kartoffeln im Keller entkeimen mussten, bevor sie zum Spielen nach draußen stürmen durften.
Ihre erste „Jugendliebe“ (sie war noch keine zehn Jahre alt) hieß Egon Feld, ein dynamischer, wacher Kopf, der sich später auf dem verstaatlichten Grundbesitz ihres Vaters als Chef der besten Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft im Klützer Winkel einen Namen machen sollte.
Das Erntefest wurde mit Lores Spielgefährten und allen Dorfbewohnern auf dem Kornboden gefeiert. Das Erntebier floss in Strömen, es gab Hühnersuppe mit Stich, Schweinebraten und zum Nachtisch Weingelee. Die Dörfler brachten eine bunte Erntekrone mit, die sie dem jungen Gutsherren feierlich überreichten. Lore Cordes: „Mein Vater bedankte sich mit einer feierlichen Rede, die jedes Jahr exakt die gleiche war. Dann wurde getanzt, Mein Vater tanzte die ganze Nacht mit den Frauen der
Tagelöhner. Und wenn er eine übersehen hatte, dann war sie spätestens bei der Damenwahl an der Reihe.“
In diesen Erntefest-Nächten wurden buchstäblich die Schuhsohlen durchgetanzt. Kurz vor Weihnachten ging Lore Cordes Mutter, die Gutsherrin, von Haus zu Haus und erfragte die Geschenkwünsche der Tagelöhnerkinder. Die Präsente wurden in Lübeck eingekauft und in der großen Diele des Gutshauses aufgebaut – Spielsachen und Kleidung in der Regel. Dann versammelte sich das ganze Dorf im Schloss. „Für uns Kinder war das Weihnachtsfest zunächst mal eine große Zitterpartie“
erinnert sich Lore Cordes, „denn wir mussten unter dem Weihnachtsbaum Gedichte aufsagen, bevor wir uns auf die Geschenke stürzen durften.“

1944

Geschenke für die Tagelöhnerkinder

Überwältigt von ihrem Glück packten die meisten Kinder ihre Geschenke nach der Bescherung gleich wieder ein und brachten sie eilig nach Hause in Sicherheit. Obwohl sie anständig wohnten, waren die Tagelöhner doch arme Leute, die ihren Lohn nur zum geringen Teil in Form von Bargeld erhielten – 20 Mark in der Woche waren die Regel. Der Rest war das sogenannte Deputat, vornehmlich Getreide, Kartoffeln, Milch und Holz. Die kleine Lore fand den Lohn doch sehr bescheiden und stellte ihren Vater zur Rede. „Die sind immer noch viel besser dran, als die anderen Tagelöhner der Gegend“, beruhigte sie Franz Bach Junior, und meinte damit die neuen Siedlungshäuser, die sein Vater für seine Angestellten hatte bauen lassen.
Es war schon Krieg, als Lore Bach auf der Hochzeit einer Cousine den flotten Kapitänleutnant Dietrich Cordes kennen lernte. Für beide war es Liebe auf den ersten Blick, und weinig später wurde die Hochzeit im Gutshaus Stellshagen gefeiert. Der erste Sohn kam 1944 zur Welt, als sich der Zusammenbruch der Ostfront schon abzeichnete.

1944

Der Krieg bricht in die Idylle ein

Ein paar Monate später brach der Krieg in die Idylle des Klützer Winkels ein. Flüchtlingsströme aus dem Osten ergossen sich ins Land. Nicht nur das Gushaus, auch die Scheune und die Häuser der Tagelöhner füllten sich mit Menschen, die nicht von den Russen überrollt werden wollten. Viele kamen mit Pferdewagen und manche schoben ihre Bündel auf Schubkarren vor sich her – die meisten waren Frauen und Kinder.

Im Gutshaus wurde die Taufe des Sohnes gefeiert. „Es war die letzte Feier“, sagt Lore Cordes. Die Front rückte immer näher. Am Ende war es nicht die Rote Armee, sondern es waren die Amerikaner, die in Stellshagen einrückten. Die deutschen Soldaten leisteten keinen Widerstand, so wurde das Dorf vor Schaden bewahrt.

Lore Cordes, die auf dem Gymnasium in Hamburg englisch gelernt hatte, machte sich als Dolmetscherin nützlich. Das erste, was sie von dem amerikanischen Kommandeur hörte, war ein Räumungsbefehl. Der amerikanische Offizier gab der Familie Bach drei Stunden, um ihr Haus zu verlassen, dann zog er selber ein. Lore Cordes kam mit ihrem kleinen Sohn im Haus des Gutsverwalters unter. Aber drei Wochen später zogen die Amerikaner wieder ab und die Bachs konnten in ihr Haus zurückkehren.

Anfang Juni tauchte plötzlich der Kapitänleutnant Cordes am Steuer eines Lastwagens in Stellshagen auf. Irgendwie hatte es der Kriegsgefangene Cordes fertig gebracht, die englischen Besatzer in Hamburg davon zu überzeugen, dass er einen Lastwagen brauchte. Nun holte er seine Frau Lore und seinen Sohn samt Mobiliar ab, um sie nach Hamburg zu bringen. Sein Schweigervater Franz Bach wollte nicht mitkommen. Der Landwirt hing an seiner Scholle und ließ sich auch nicht von Gerüchten beeindrucken, dass die Engländer, die inzwischen die Amerikaner abgelöst hatten, im Begriff waren sich zurückzuziehen. Bald darauf war es so weit: die Engländer gingen und die Russen kamen.

Der Gutsherr Franz Bach kam mit ihnen gut zurecht. Während die Amerikaner ihn aus seinem Haus herausgeworfen hatten, traf er sich mit dem sowjetischen Kommandanten regelmäßig zu Kartenspiel und Wodkagelagen im Kaminzimmer des Gutshauses, so dass sich zwischen den beiden fast so etwas wie eine Freundschaft entwickelte.

 

1944

Der Gutsherr teilt sein Land auf

An der Bodenreform führte natürlich kein Weg vorbei und Franz Bach war sich bewusst, dass ihm sein Gutshaus nicht mehr gehörte. Er wohnte dort nur noch auf Zeit, aber er half dem russischen Kommandanten bei der Aufteilung der Ländereien unter seinen früheren Angestellten. Schließlich übergab der russische Offizier die Verwaltung an die deutschen Funktionäre der sowjetischen Besatzungszone. Kurz bevor es so weit war, riet der Kommandant seinem Freund Franz Bach: Es ist Zeit,
dass du dich absetzt.
Lore Cordes wäre 50 Jahre später wohl nicht in ihr Elternhaus zurückgekehrt, wenn
es ihr nicht gelungen wäre, ihre Tochter Gertrud, Heilpraktikerin in Hamburg, für das Gutshaus zu interessieren. Gertrud wollte ihre Praxis vergrößern und suchte schon seit langem nach einem geeigneten Haus auf dem Lande, in dem sie auch Seminare veranstalten konnte.
„Geh doch nach Stellshagen!“ beschwor Lore ihre Tochter. Gertrud zögerte: das Anwesen war für ihre Zwecke viel zu groß. Aber es war vor allem auch sehr schön! Schließlich ließ sich Gertrud von ihrer Mutter gerne überzeugen. Allerdings musste sie angesichts der Dimensionen des Anwesens ihr Konzept ändern: aus der Naturheilpraxis in einem kleinen Seminarhaus wurde ein Bio- und Gesundheitshotel
mit Gärtnerei und Seminarbetrieb, das über 150 Leuten aus Stellshagen und Umgebung Arbeit gab. Der Rest des Teams sind Freunde und Bekannte. Das Gutshaus befand sich seit der Wiedervereinigung im Besitz der „Treuhand“ und wurde 1994 zur Versteigerung ausgeschrieben. Lore Cordes und ihre Tochter legten das beste Nutzungskonzept vor und machten das höchste Angebot. So kehrte das Gutshaus Stellshagen Ende 1994 in den Besitz der Familie zurück.

1995

Rückkehr durch den Kücheneingang

Genau 50 Jahre nach dem Lore Cordes mit ihrem Sohn auf dem Arm ihr Elternhaus durch den Kücheneingang verlassen hatte, kehrte sie 1995 zurück. „Ich kam wieder
durch den Kücheneingang“ erinnert sie sich.
„Und ich kam am Arm meines Sohnes, den ich damals als Baby in meinen Armen gehalten hatte“. Damit wurde ein neues Kapitel in der Geschichte des Gutshauses Stellshagen aufgeschlagen. Bald begannen die Bauarbeiten. Das Haus wurde vom Dach bis zum Keller nach baubiologischen Gesichtspunkten renoviert. Das einstöckige Nebenhaus, das zu DDR-Zeiten gebaut und als Schule genutzt worden war (Clara-Zetkin-Schule), wurde auf zwei Stockwerke aufgestockt und mit großen Fenstern und Balkonen versehen. Ins Parterre zogen jetzt Büroräume ein, der neue Gutshausladen und in die beiden oberen Geschosse gemütliche Gästezimmer.

1995/1996

Neue Gäste im Schloss

Der lange Winter 1995/96 und bürokratische Hürden haben die Bauarbeiten um Monate verzögert, so dass die Handwerker auf dem gesamten Besitz noch mit Hochdruck arbeiteten, als Mutter und Tochter Cordes sich entschlossen, das neue Bio- und Gesundheitshotel mitten in der Sommersaison 1996 in Betrieb zu nehmen. Vom ersten Tag an zog das Haus Gäste an. Nur wenige ließen sich von den Bauarbeiten abschrecken, die noch einige Wochen andauerten. Sie spürten die besondere Atmosphäre des Hauses, und viele buchten bereits ihre Zimmer für die nächste Saison. „Ich nehme das als ein gutes Zeichen“, sagt die Heilpraktikerin Gertrud Cordes, „dass wir mit unserem Konzept eines alternativen Bio- und Gesundheitshotels dem Bedürfnis vieler Menschen entgegenkommen“. Und ihre Mutter freut sich: „Es ist schön, dass mein Elternhaus eine so sinnvolle neue Bestimmung gefunden hat.“
Schon bald waren so viele Gäste da, dass zu manchen Zeiten die 21 Zimmer gar nicht mehr ausreichten. In den ersten Wochen und Monaten nachdem das Hotel eröffnet hatte, kam es häufig vor, dass in der zunächst noch improvisierten Küche die Gäste mithalfen Erbsen zu puhlen oder auf dem Feld ein paar Möhren zu ernten – einfach weil sie Lust dazu hatten! Das Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Gästen war von Anfang an entspannt und locker. Die Gäste fühlten sich sofort zuhause und viele von ihnen wurden schnell zu Stammgästen oder brachten beim nächsten Mal ihre Freunde mit.

1997

Die Mischung aus der idyllischen Lage des Gutshauses, der biologischen Ausstattung der Zimmer, dem fantasievollen vegetarischen Essen und dem unkonventionell-freundlichen Umgang des Teams mit den Gästen machte das junge Bio- und Gesundheitshotel mit angeschlossener Naturheilpraxis schnell zu einem Geheimtipp. Allein, dass man sich in der Wiese vor dem Teich in eine Hängematte legen und die Stille genießen konnte, war für so manchen Städter ein unvergessliches Erlebnis. Bei den Menschen aus der näheren Umgebung hatte sich inzwischen rumgesprochen, dass „die im Schloss“ ja „Vegetarier“ seien und man hatte Sorge, dass man „dort nicht satt wird“.

1998

Das Zimmerangebot musste schnellstens erweitert werden und so entstanden 1998 die beiden beliebten Gartenhäuser, die sich  organisch in die naturnahe Park- und Gartenlandschaft einfügten. Fünf Doppelzimmer waren somit dazugekommen, aber tatsächlich reichten die Zimmer nach wie vor nicht aus.

Die Mischung aus Hotel- und Seminarbetrieb füllte das Haus mit Gästen, die allein oder zu zweit Ruhe und Erholung suchten; oder mit Seminarteilnehmern, die z.B. an Ausbildungen, Selbsterfahrungskursen, Kreativ- oder Meditationsgruppen teilnahmen. So mancher private Gast kehrte bald wieder als Seminarteilnehmer ins Gutshaus Stellshagen zurück und auch umgekehrt kamen zum Beispiel die Teilnehmer von Fastengruppen nur zu gerne noch einmal für eine Urlaubswoche ins Gutshaus, um das vegetarische Essen zu genießen!

Die Seminargruppen und die privaten Gäste im Hotel hatten es aber auch nicht immer leicht miteinander: die Gäste waren bisweilen irritiert über die Geräusche mancher Selbsterfahrungsgruppen, die aus dem Seminarraum in den Essbereich drangen und die Seminarteilnehmer beschwerten sich über das Klappern von Geschirr, Besteck und Gläsern, wenn sie Stille für ihre Meditation brauchten. Denn der heutige Speisesaal fungierte bis zum Jahr 2000 als großer Seminarraum, der heutige Raum „1001 Nacht“ war damals der kleine Seminarraum.

Auch für die Essensgäste reichte der Platz längst schon nicht mehr aus. Gertrud Cordes überlegte, plante, rechnete – es ging um die Rentabilität des Betriebes. Dann nahm sie gleich zwei große Projekte in Angriff, die Sonnenhäuser und das Tagungshaus.

2000

Für einen Neubau von Gästezimmern gab es zunächst verschiedene Ideen, keine schien ideal. Schließlich setzten sich Gertrud Cordes und Architekt Christian Müller-Menckens mit Campingstühlen auf die Wiese, die bald Baugrund werden sollte und beratschlagten: wie ist der Sonnenlauf und was für eine Bauweise wäre hier optimal? So entstand die Idee eines Rundbaus mit 16 Zimmern. Die großen Fenster sind von Südost bis Südwest ausgerichtet und haben Balkon bzw. Terrasse plus eine Teeküche und Solarpaneel in jedem Eingang – zu jener Zeit war das wahrlich innovativ. Ostern 2000 zogen die ersten Gäste in die Sonnenhäuser ein – und waren begeistert!

Das Tagungshaus liegt am Westufer des Gutshaus-Teichs. Als es darum ging, einen geeigneten Platz für den geplanten Bau zu finden, tagte gerade eine Feng-Shui-Ausbildungsgruppe im Gutshaus und flugs wurde diese Frage der Gruppe als Prüfungsaufgabe gestellt. Als idealer Standort wurde schließlich der ehemalige Sportplatz ausgewählt. Im Sommer 2000 wurde das Tagungshaus mit einer großen Party eröffnet, Prem Joshua und Band heizten ordentlich ein und es wurde wild getanzt.

Der große Seminarraum im Tagungshaus misst 200 m² und kann durch eine Trennwand in zwei Hälften unterteilt werden; ein kleiner Seminarraum hat ca. 40 m² und eine halbrunde Terrasse. Das Haus war ideal für Meditationswochen, Körpertherapie-Ausbildungen, Management-Trainings, Kreativitätswochenenden u.v.m. Endlich konnten die Seminare und Gästeprogramme abseits des Hotelbetriebs stattfinden und der große Seminarraum im Gutshaus wurde dauerhaft zum großen (Speise-)Saal. Gäste wie Mitarbeiter freuten sich über den neu gewonnenen Platz!

Die Praxis von Heilpraktikerin Gertrud Cordes befand sich anfangs im Parterre des Gästehauses, dort wo jetzt die Zimmer vom Typ Bambus liegen. Traditionelle Chinesische Medizin (Akupunktur und Kräuter), Tiefengewebsmassagen, Craniosacral-Therapie, Kirliandiagnose, Ernährungsberatung und andere alternative Behandlungsmethoden wurden neben dem „Bioland“-Siegel zu einem Markenzeichen des noch jungen Hotels und so mancher zufriedener Patient, der z.B. mit Akupunktur behandelt wurde, teilte seine Erfahrunden mit den Einheimischen. Immer mehr Menschen ließen sich naturheilkundlich behandeln, so dass auch hier schnell Raumnot herrschte. Keller- und Bodenräume im Gutshaus wurden als zusätzliche Behandlungsräume ausgestattet, doch es wurde bald deutlich, dass mit wachsender Nachfrage und einem immer größeren Angebot an Behandlungen der nächste Schritt anstand: der Umzug in ein eigenes Gebäude.

2005

Das Tao Gesundheitszentrum wurde direkt an das Tagungshaus angeschlossen und besteht seit 2005. Hier beraten und behandeln erfahrene Therapeut/innen Hotelgäste und Tagesgäste nach Methoden der westlichen und östlichen Naturheilkunde und selbstverständlich können auch Wellness-Massagen zur Entspannung gebucht werden. Eine eigene Rezeption übernimmt im Tao die Beratung und Buchung der Behandlungen. Über die Jahre war ein großer separater Ayurveda-Bereich mit mehreren Anwender/innen hinzu gekommen und auch die Zahl der Therapeuten, die im Tao beschäftigt sind, ist gewachsen. Es sind Heilpraktiker/innen, eine Ärztin, Masseur/innen der unterschiedlichsten Therapierichtungen, eine Physiotherapeutin, Kosmetikerinnen, Craniosacral-Therapeuten, Ernährungsberater, Orthomolekular-Therapeuten, Stressmanager und Fitnesscoaches.

Das Alte Feuerwehrhaus in Damshagen gibt es seit 2006. Ursprünglich sollte dort einfach nur ein Verkaufsstand an der Straße stehen, an dem Bill, der Mann von Gertrud Cordes, im Sommer Obst und Gemüse an die Urlauber auf dem Weg nach Boltenhagen verkaufen wollte. Doch der Architekt hat die Idee schnell „erweitert“ und schlug vor, aus dem leer stehenden ehemaligen Feuerwehrhaus ein Bistro mit Bioladen zu machen. Das war nicht ganz uneigennützig gedacht, denn inzwischen war er mit seinem Architekturbüro nach Damshagen gezogen und wohnte nebenan. Die letzte Kneipe im Ort hatte zugemacht, und so wurde das Bistro von Anfang an zum beliebten Treffpunkt für Gäste und Einheimische: man trifft sich zum (ganztägig angebotenen) Frühstück, zum Mittagessen mit wechselnden Tagesgerichten oder nachmittäglichen Kaffee-und-Kuchen-Klönschnack. In der warmen Jahreszeit sitzt man gemütlich draußen im Garten.

Die nächste Abteilung, die aus allen Nähten platzte, war die Backstube des Gutshauses. Die dringend benötigten größeren Räume fand sie schließlich in kurzer Entfernung zur Alten Feuerwehr in Damshagen, in einem Gebäude der alten Schule. (Nebenan zog dann gleich auch die Wäscherei ein.) Das Sortiment an Brot, Brötchen, Kuchen, Torten und Gebäck konnte sich inzwischen sehen lassen und bestimmte Brotsorten, wie z.B. das beliebte „Gutshaus“-Brot, wurden von den Hotelgästen gerne schon im Voraus zum Mitnehmen bestellt. Einem Stammgast auf Durchreise wurde ein Gutshaus-Brot einmal sogar durchs Zugfenster ins Abteil gereicht, als der Zug im Bahnhof Grevesmühlen Halt machte… Die Bio-Brote und -Backwaren finden auch in anderen Hotels und Kliniken der Umgebung ihre Abnehmer. Später kam noch der Backwagen hinzu: ein Marktwagen, der Brot, Brötchen und Kuchen auf den Märkten in der Umgebung verkauft.

2007

Ein Bio-Hotel war das Gutshaus Stellshagen von Anfang an – der Anteil an Bioprodukten betrug jahrelang 80-90%. Nicht alles, was im Hotel gebraucht wurde, gab es anfangs schon in Bio-Qualität. Im Jahr 2007 trat das Gutshaus schließlich dem Verband „Bio-Hotels“ bei. Das erforderte eine klare Positionierung, eine Entscheidung für 100% Bio. So sehr wir das auch selber wollten, war es doch ein großer finanzieller Schritt, wirklich jedes Gewürz in Bioqualität einzukaufen.

2007 wurde auch das „Haus am Teich“ eröffnet – private Eigentümer hatten in Ferienwohnungen in diesem Neubau investiert, und das Gutshaus Stellshagen vermietet sie an Feriengäste: eine win-win-win-Situation von Anfang bis heute!

2008/2009

Schon bei früheren Erweiterungen des Hotels waren die Impulse für die Veränderungen meist von den Gästen ausgegangen, die sich untereinander austauschten und bereitwillig Vorschläge und Ideen weitergaben. „Was jetzt noch fehlt, ist ein Badeteich!“ – war immer öfter zu hören. im Jahr 2008 ließ sich Gertrud Cordes vom Dorfbewohner Lothar Bagdahn inspirieren, einen Naturbadeteich an die Grenze zum Feld zu bauen. Schwimmen mit Blick in den Sonnenuntergang! Ein Jahr später entstand daneben das beliebte rote Saunahaus im schwedischen Stil. Sie wollte auch mit diesem Bau die „Natur nach innen holen“, wie sie es formuliert, z.B. mit schönen Stein- und Kieselfliesen. In den drei Saunen, dem lichtdurchfluteten Ruheraum und dem gemütlichen Foyer mit Kamin kann man es sich einen ganzen Schietwedder-Tag lang mit Säften, Keksen und kleinen Gerichten gut gehen lassen.

Und erneut stellte sich die Frage, wie die zahlreichen Seminare, die inzwischen im Tagungshaus stattfanden, und die Gäste, die privat gebucht hatten, unter einen Hut zu bringen waren. In Zeiten, in denen größere Seminargruppen da waren, nahmen sie viel Raum ein und gleichzeitig hatten die Therapeuten im Tao Gesundheitszentrum wenig zu tun, weil die Seminarteilnehmer selten Anwendungen buchten. Was tun? Ein extra Seminarhaus musste her!

2009

Eine Lösung war in Sicht – allerdings mit einem gewagten Projekt. Als Gertrud Cordes sich mit einem befreundeten Architekten das heruntergekommene Gutshaus in Parin ansah, sagte der sofort: „Das ist was für Gerti!“ Der Bürgermeister war sofort Feuer und Flamme, als Frau Cordes bei ihm anfragte. Neben dem Gutshaus-Hotel sollten zwei große Seminarräume und zwei neue Gästehäuser mit 16 Zimmern entstehen. Auch die Ländereien rund um das Gutshaus sollten mit dazu gehören und für alles musste erst mal die Finanzierung stehen. Als es schließlich mit dem Bauen losging, gab es böse Überraschungen im alten Gutshaus: das Dach konnte nicht saniert werden; es war voller DDT und Lindan und so bekam das Gutshaus ein komplett neues Dach. Wegen der Brandschutzvorschriften, die ein Hotel zu erfüllen hat, mussten überall neue Decken eingezogen werden. Anstelle einer behutsamen Sanierung, wie es geplant war, musste das Gebäude an vielen Stellen umgebaut werden. Die vielen unvorhergesehenen Ausgaben und eine lange Anlaufzeit, bis das Hotel schwarze Zahlen schreiben konnte, bescherten allen eine Durststrecke. Tatsächlich dauerte es einige Jahre, bis alle Seminare auswärtiger Veranstalter nach Parin verlegt werden konnten – so mancher Seminarveranstalter, der jahrelang schon nach Stellshagen kam, weigerte sich schlicht, nach Parin zu gehen! So war das wunderschön restaurierte Gutshaus Parin mit seinem sagenhaften Gewölbekeller und den 14 stilvollen Gästezimmern über längere Zeit immer wieder nicht gut gebucht und das war natürlich ein riesiger Kostenfaktor.

2012

Um das Gutshaus Parin bekannter zu machen, musste es also „unter die Leute gebracht“ werden, und wo könnte das besser funktionieren als im Ostseebad Boltenhagen? In der Nähe der „Weißen Wiek“, des Yachthafens, wurde Gertrud Cordes die Hälfte eines Gebäudes zur Miete angeboten. „Wir dachten auch an eine Art Lieferservice – dass wir in der Nähe des Hafens die Urlaubsgäste mit Gemüse versorgen können und dabei unsere Häuser bekannt machen“, erzählt Gertrud Cordes.  Es entstand der bislang einzige Bioladen in Boltenhagen mit Bistro, „Stellshagen und Meer“. Gertrud Cordes, die neben der Geschäftsleitung nach wie vor als Heilpraktikerin Traditionelle Chinesische Medizin praktizierte, verglich diese „Außenstellen“ des Gutshauses Stellshagen gerne mit Akupunkturnadeln: sie werden an bestimmten Punkten eines Organismus platziert, um den Energiefluss im gesamten System auszugleichen. In diesem Sinne: das Team von „Stellshagen und Meer“ nimmt gerne Wünsche und Extra-Bestellungen von Kunden an!

2016

Das Gutshaus Parin hatte inzwischen einige Stammgäste gewonnen, die das gediegene Ambiente, die Ruhe und die Natur liebten. Was fehlte, war ein Badeteich wie in Stellshagen. Einer der Gäste bot an, in den Bau eines Naturbadeteiches zu investieren – der Teich musste aber 25 Meter lang sein, das war Bedingung! Dafür einen geeigneten Ort zu finden, war nicht leicht, wie sich herausstellte, denn das Gelände war entweder zu abschüssig oder es war nicht genug Platz vorhanden. Die einzige Stelle, die schließlich in Frage kam, hatte ebenfalls ihre Tücken: bei den Baggerarbeiten stellte sich heraus, dass der Untergrund sehr weich war und es musste sehr viel mehr Beton in die Erde eingebracht werden, um den Teich zu sichern, als ursprünglich geplant – was den Teich „mal eben“ deutlich teurer machte…

Aktuelles

Derzeit liegt beim Bauen der Fokus darauf, Unterkünfte für Mitarbeiter zu schaffen, da auch vermehrt Mitarbeiter aus dem Ausland dazukommen. Es sind junge Leute aus Spanien, Indonesien, Polen, Tschechien, Usbekistan… . Weiterhin wird aktuell viel Zeit und Liebe in die Sanierung der Hotelzimmer investiert. Um den Hotelbetrieb nicht zu stören, finden die Renovierungsarbeiten Schritt für Schritt statt.

FESTSCHRIFT ZUM 20-JÄHRIGEN JUBILÄUM VON 2016